Umdenken
Seit 1961 hatten Hamburger Zivilfahnder verstärkt Toiletten zur "Bekämpfung der Umtriebe" überwacht. Neben dem Tanzverbot gab es ein weiteres düsteres Kapitel der Homosexuellen-verfolgung in Hamburg.
Von 1964 an wurden unter dem damaligen Hamburger Innnensenator Helmut Schmidt (SPD) Spionierspiegel in öffentlichen Toiletten angebracht. Das waren verspiegelte Fenster, hinter denen sich kleine Räume verbargen, von wo aus die Toiletten überwacht werden konnten.
Hamburger Spielbudenplatz: Corny Littmann steuert auf einen Spiegel an den weißgekachelten Wänden zu und zertrümmert ihn. Was er dahinter entdeckt, wird nicht nur in der Hansestadt einen politischen Skandal auslösen: Von einer kleinen Kammer aus hatten Polizisten jahrzehntelang Klogänger bespitzelt, um zu beobachten, ob sich dort Männer zum Sex trafen. Wann immer die WC-Wächter Verdacht schöpften, griffen sie zu.
Bevor Corny Littmann, damals Bundestagskandidat der Grünen und der Mann mit dem Hammer, in einer Sommernacht 1980 die umstrittenen Überwachungsmethoden der Hamburger Polizei vor einer Gruppe Journalisten publik machte, waren bundesweit schon Zehntausende Homosexuelle verhaftet worden.
Jahrelang wurden Homosexuelle als Verbrecher stigmatisiert. Nicht nur in Hamburg, nicht nur auf der Toilette am Spielbudenplatz.
Ihr vermeintliches Verbrechen war im deutschen Strafgesetzbuch manifestiert: Paragraf 175.









