AUSSTELLUNG `Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft` 


VelsPol hat sich seit seiner Gründung schon immer mit der Geschichte, insbesondere mit der Rolle der Polizei im 3. Reich und der Verfolgung von Minderheiten beschäftigt.
Als erste Landesorganisation hat sich VelsPol-BW e.V. innerhalb einer initiativgruppe und dem Stadtarchiv der Landeshauptstadt Stuttgart mit diesem Thema befasst. Aus der Recherchearbeit entstand eine Ausstellung die im Stuttgarter Rathaus gezeigt wurde.


SCHWULST - Sonderausgabe zur Ausstellung

Zum Gedenkort `Hotel Silber` finden Sie weitere Informationen unter: http://www.gedenkort-hotel-silber.de


Nicht nur die Gestapo hat im 3. Reich schwere Schuld in Bezug auf die Verfolgung von Homosexuellen geladen, sondern auch die damalige Kriminalpolizei. Mit der Iniative zur Erhaltung des Gebäudes Dorotheenstrasse 10 in Stuttgart und der Errichtung einer Gedenkstätte soll an dieses traurige Kapitel Polizeigeschichte erinnert werden. Das Gebäude soll im Zuge der Neubebauung des Quartiers abgerissen und durch eine Kaufhauserweiterung, einem Hotelneubau und neuen Ministerien ersetzt werden
Die Rolle der Stuttgarter Gestapoleitstelle bei der Homosexuellenverfolgung
Neben der Stuttgarter Kripoleitstelle wurden regionale Diskriminierung- und Verfolgungsmaßnahmen gegen Homosexuelle von der Stuttgarter Gestapoleitstelle organisiert und durchgeführt. So wurden nach 1934 nicht nur die Mitarbeiter der Gestapo sondern auch die der Kriminalpolizei an der NS-Unterdrückung von Homosexuellen beteiligt.
Wie die Stuttgarter Kripoleitstelle hatten die Stuttgarter Gestapomitarbeiter und ihre dazugehörenden Zweigstellen mit dem sog. Vordruck B der Reichszentrale die Personalien (Beruf, Wohnort, Geburtstag- und ort, Religion, Rasse, Familienstand, Staatsangehörigkeit) der Homosexuellen aus der Region Württemberg und dem Regierungsbezirk Sigmaringen, sowie die Namen ihrer Sexualpartner zu melden. Auf der Rückseite des Vordrucks war zusätzlich zu vermerken, ob und wann der Homosexuelle festgenommen und in welche Anstalt er gegebenenfalls gebracht worden war.
In einer weiteren Anweisung der Reichszentrale vom 10. August 1937 wurden die Polizisten dazu verpflichtet, im Drei-Monats-Takt zu berichten, wie viele Homosexuelle ermittelt werden konnten.
Wegen "§175-Verbrechen" wurden etwa 10.000 Männer in Konzentrationslager verschleppt, erniedrigt und zu Tode geschunden bzw. ermordet.
Quelle: Publikation Tatort Dorotheenstrasse 10


Reichszentrale zur Bekämpfung von Abtreibung und Homosexualität

Ein immer straffer arbeitender Informationsweg von der zentralen Verfolgungsbehörde bis zu den unteren Dienststellen erhöhte die Verhaftungszahlen von Homosexuellen gegen Ende der 30er Jahre. Die „Reichszentrale zur Bekämpfung von Abtreibung und Homosexualität“ wurde 1936 im Zuge der Neuorganisation der Kriminalpolizei geschaffen. Ihre Aufgabe bestand in der Koordinierung der Bekämpfung der Homosexualität durch die Sammlung von Daten über Homosexuelle. 1940 waren bereits Dateien von 41.000 als homosexuell bestrafter oder verdächtiger Männer gespeichert. Gesonderte Dateien wurden zu so genannten Strichjungen und Jugendverführern angelegt. Weil sie dem Regime als „unverbesserlich“ und „besonders gefährlich“ galten, hatten sie mit rigiden Verfolgungsmaßnahmen zu rechnen. Die zentrale Datenspeicherung erlaubte es der Reichszentrale, Maßnahmen zur Verfolgung und Bestrafung von Homosexuellen einzuleiten und zu koordinieren. Dazu stand ihr der Einsatz von mobilen Sondereinheiten zur Verfügung, die auch vollzugsmäßig eingreifen konnten. Leiter war der gefürchtete SS-Offizier Josef Meisinger. Ihm stand 1943 ein Stab von 17 Mitarbeitern zur Verfügung. Die schätzungsweise 100.000 Karteikarten umfassende Sammlung ist wahrscheinlich in den letzten Kriegstagen vernichtet worden. Auszüge aus der Rede des Reichsführers SS, Heinrich Himmler am 18. Februar 1937 anlässlich der Gruppenführer-Besprechung in Tölz. Himmler: „Ich will Ihnen über diese Frage der Homosexualität ein paar Gedanken entwickeln. Es gibt unter den Homosexuellen Leute, die stehen auf dem Standpunkt: was ich mache, geht niemanden etwas an, das ist meine Privatangelegenheit. Alle Dinge, die sich auf dem geschlechtlichen Sektor bewegen, sind jedoch keine Privatangelegenheit eines einzelnen, sondern sie bedeuten das Leben und das Sterben des Volkes, bedeuten die Weltmacht und die Verschweizerung. Das Volk, das sehr viel Kinder hat, hat die Anwartschaft auf die Weltmacht und Weltbeherrschung. Ein gutrassiges Volk, das sehr wenig Kinder hat, besitzt den sicheren Schein für das Grab, für die Bedeutungslosigkeit in 50 und 100 Jahren, für das Begräbnis in zweihundert und fünfhundert Jahren.“ „Wir haben in der SS heute immer noch pro Monat einen Fall von Homosexualität. In der gesamten SS werden im Jahr ungefähr 8 – 10 Fälle vorkommen. Ich habe mich nun zu folgendem entschlossen: Diese Leute werden selbstverständlich in jedem Fall öffentlich degradiert und ausgestoßen und werden dem Gericht übergeben. Nach Abbüßung der vom Gericht festgesetzten Strafe werden sie auf meine Anordnung in ein Konzentrationslager gebracht und werden im Konzentrationslager auf der Flucht erschossen. Das wird jeweils dem Truppenteil, dem der betreffende angehört hat, von mir durch Befehl bekannt gegeben. Dadurch hoffe ich, dass ich diese Art von Menschen aus der SS auch bis zum letzten herausbekomme, um wenigstens das gute Blut, das wir in der Schutzstaffel haben und diese werdende Gesundung blutlicher Art, die wir für Deutschland groß ziehen, frei zu halten.“ 

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Verfolgung der Homoseuellen im Nationalsozialismus (Klick auf das Bild)

LSVD: Chronik der Homosexuellen Verfolgung



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